Vorbericht, Konzertfotos, Rezension, Interview

23.04.2007 Oldenburg, Staatstheater © Lutz Rector, Hunte Report Oldenburg

Vielen Dank an Herrn Rector für die Genehmigung zur Übernahme der Fotos.
Direktlink Hunte Report Oldenburg - Das vorab mit David geführte Interview kann man hier  oder weiter unten lesen ...

Konzertrezension der Nordwest Zeitung, Oldenburg, 25.04.2007

Träumereien im Schatten des berühmten Bruders

David Knopfler und Band spielen im Oldenburgischen Staatstheater – Kein Platz für E-Gitarren

Von Matthias Mineur

OLDENBURG - Wer die Augen zu Beginn des Konzerts geschlossen hält, glaubt kurzzeitig an ein unangekündigtes Comeback der Band Dire Straits. Die zum Verwechseln ähnliche Stimme, der gleiche Erzählstil und die entspannte Atmosphäre, die sich durch nahezu alle Songs zieht. Kein Wunder: David Knopfler ist der jüngere Bruder von Mark Knopfler, Chef und Hauptkomponist der Dire Straits.

Am Anfang der Erfolgsgeschichte dieser Band waren sie noch beide vereint, die Knopfler-Brüder. Dann stieg David aus und emanzipierte sich (im Schatten des berühmteren Familienmitglieds) als eigenständiger Gitarrist und Songschreiber. Darauf legt der 55-Jährige auch unmissverständlich Wert, als er jetzt mit seiner Band im Kleinen Haus des Oldenburger Staatstheaters gastiert. Kein Wort über Dire Straits, kein Satz zu Mark, keinen Hit der Superband – es gibt ausschließlich eigene Stücke. Die verblüffende Ähnlichkeit ist dennoch geblieben. Das Können auch.

David Knopfler ist ein Geschichtenerzähler, der seine Botschaften in feine und leise Töne kleidet. Seine Texte zeigen eine genaue Beobachtungsgabe für die kleinen Eigenarten des menschlichen Daseins, die Musik dazu ist dennoch weit mehr als Beiwerk. Wer ihm und seinen drei Musikern genau auf die Finger schaut, sieht filigrane Technik und viel Sinn fürs Detail. Mal zupft der Brite in alter Folkrock-Tradition, dann klemmt er sich eine Mundharmonika. Niemals laut, niemals hektisch, sondern stets auf den Wohlklang bedacht. Elektrische Gitarren haben im Programm keinen Platz.

„Es ist wirklich wunderbar ruhig bei euch“, wundert sich der Musiker nach etwa 30 Minuten über die Stimmung im Saal. Später wird ihm sein Publikum dann doch zu zurückhaltend, sodass er unmissverständlich zum Mitklatschen auffordert.

Doch irgendwie will das rhythmische Klatschen nicht so recht zu den Liedern passen. Denn Knopfler und seine Band machen Musik zum Zuhören, Träumen, Genießen. Man sollte allerdings in entsprechender Stimmung sein.

Vielen Dank an Frau Schneider-Schelling für die Genehmigung zur Übernahme der Rezension.
Direktlink auf die Nordwest Zeitung
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Interview vor dem Oldenburg-Konzert. Von Lutz Rector, Hunte Report, Oldenburg

"Publikum soll meine Konzerte genießen"

Oldenburg. Ende der 70er gründete David Knopfler gemeinsam mit seinem Bruder Mark die „Dire Straits“. Drei Jahre später aber verließ David die Formation bereits wieder, denn seine musikalischen Vorstellungen ließen sich nur noch schwerlich mit dem Weg der „Dire Straits“ unter einen Hut bringen. Seither arbeitet er als Solokünstler. Am morgigen Montag, 23. April, präsentiert der Hunte Report David Knopfler um 20.30 Uhr im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters. HR-Redakteur Lutz Rector hatte die Gelegenheit, im Vorfeld im dem Musiker zu sprechen.

Frage:
Es heißt, sie haben damals die „Dire Straits“ verlassen, weil ihnen das Projekt zu groß  war. Stadionkonzerte hatten nichts mehr mit ihrem Verständnis von Musik zu tun. Ist das richtig?

David:
Das ist schwierig zu erklären. Stadionkonzerte sind etwas sehr eigenes, und nicht wirklich meine Sache. Es sind Events, die eigentliche Musik rückt in den Hintergrund. Das Publikum ist beispielsweise weniger an den Texten und Inhalten interessiert, sondern an der Show. Ich kritisiere das nicht. Es ist toll, wenn Bands 60.000 Leute begeistern können. Aber ich bin dafür einfach nicht der richtige.

Frage:
Wie groß sind denn die Locations, in denen Sie auftreten?

David:
Relativ klein. In Deutschland beispielsweise schwankt das zwischen 250 und 650 Plätzen.

Frage:
Da liegt das Kleine Haus des Staatstheaters genau in der Marge. Ist es etwas besonderes für Sie, in einem Theater zu spielen?

David:
Das sind immer tolle Auftritte, eigentlich sogar meine Lieblingskonzerte, denn ich spiele durchaus häufiger in Theatern. Ich mag es, wenn sich das Publikum hinsetzen kann, um ein Konzert zu genießen. Die verrauchten Säle, wo die Leute stehen müssen. Früher fand ich das auch noch toll. Aber das war irgendwann vorbei. Und mein Publikum ist ja auch mit mir gealtert. Ich denke, die haben auch keine Lust mehr, sich in die Menge stellen zu müssen. Die kommen nicht mit dem Motorrad vorgefahren, rauchen Joints und wollen feiern. Es geht um das eigentliche Konzert, nicht um ein verspätetes Hippie-Event.

Frage:
Das passt zu Ihrer Musik, die stark akustisch geprägt ist.

David:
Genau, die Musik ist sozusagen genau für dieses Publikum gemacht. Sie sollen die Konzerte genießen, und das tun sie auch. Klar ist die Zielgruppe damit insgesamt zwar kleiner. Aber man kann so etwas auch gar nicht in riesigen Hallen spielen – das ist schlicht unmöglich!

Frage:
Wohin führt die aktuelle Tour?

David:
Die meisten Konzerte finden in Deutschland statt. Es gibt noch eins in Österreich, eins in der Schweiz und noch irgendwie zwei andere. Das war es aber auch schon.

Frage:
Sind Ihre Tourneen immer so vergleichsweise kurz?

David:
Ich gehe nur wenig auf Tournee. In England habe ich im vergangenen Jahr zehn Konzerte gespielt. Nach Deutschland komme ich vielleicht alle zwei Jahre. Ich lebe nicht ein halbes Jahr „on the Road“. Vielleicht würde ich sogar mehr machen, wenn es die entsprechenden Anfragen gäbe. Natürlich mag ich es, auf Tour zu sein, doch es ist für mich nicht so wichtig, gehört nicht zum Lifestyle. Wenn ich nicht unterwegs bin, vermisse ich nichts.

Frage:
Was ist Ihnen für sie denn wichtig?

David:
Neue Songs zu schreiben, steht ganz oben, oder sagen wir, an zweiter Stelle, Sex ist top. (Lachend) Ach was, in meinem Alter (54) natürlich nicht. Das Songwriting steht schon ganz oben.

Frage:
Gehören noch irgendwelche Songs der „Dire Straits“ zu ihrem Repertoire, immerhin habe Sie auch einige geschrieben.

David:
Nein, überhaupt nicht! Das erwartet mein Publikum aber auch gar nicht. Wer Songs der „Dire Straits“ hören will, muss in die Konzerte von meinem Bruder Mark oder einer Coverband gehen. Zu den Coverbands kommen dann vielleicht 1.000 Leute, zu mir vielleicht nur 300, aber das ist ok. Die „Dire Straits“ waren eine tolle Band. Aber ich habe das Kapitel damals abgeschlossen, um meinen eigenen Weg zu gehen. Dann darf man sich nicht von der Vergangenheit verfolgen lassen. Und das habe ich nie getan!

Vielen Dank an Herrn Rector für die Übernahme des Interviews.