02.10.2007 Timmendorfer Strand © Lennart Meier. Nach den Bildergalerien: Rezension der Lübecker Nachrichten

02.10.2007 Timmendorfer Strand © Dirk Ballarin

Rezension Lübecker Nachrichten, Ostholstein-Ausgabe

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Vielen Dank für die Überlassung der Rezension! (WM)

Knopfler – mehr als nur Dire Straits

Begeisterndes Konzert in Timmendorf

VON ECKHARD MEIER

Wer „Sultans of Swing“ oder „Walk of Life“ erwartet hatte, war auf der falschen Veranstaltung. Mit den Dire Straits hat David Knopfler nichts mehr am Hut – und wohl auch nicht mehr viel mit der Musik seines Bruders Mark Knopfler. Macht nichts. Auch ohne die weltberühmte Verwandschaft ist der 1952 im schottischen Glasgow geborene Sänger/Songwriter eine Größe. Sollte jemand daran gezweifelt haben, konnte er sich jetzt in der Timmendorfer Trinkkurhalle eines Besseren belehren lassen.

Zwei Männer, zwei Gitarren, ein Flügel. Mehr war nicht nötig, um das Publikum in der voll besetzten Rotunde zu begeistern. Ach ja – die Mundharmonika nicht zu vergessen, die dem Ganzen zu Beginn einen Hauch von Donovan und der sechziger Jahre verlieh. David Knopflers Freund und Gitarrist Harry Bogdanovs war besagter zweiter Mann auf der Bühne. Ein ganz offenbar perfekter Musiker, der mit äußerst sparsamen Bewegungen seiner Gitarre Töne mit Gänsehaut-Effekt entlockte und auch am Flügel hervorragend war.

Erstaunt bescheinigten die Zuhören den Künstlern eine für das Genre ganz ungewöhnliche Bescheidenheit. Als David Knopfler nach dem ersten Lied seine Nickelbrille mit den blauen Gläsern aufsetzte und trocken meinte, dies seien „not rockstar-glasses, but glasses for better reading“, hatte er das Publikum gewonnen.

Der Mann im Schatten seines großen Bruders lebt auf dem englischen Lande in enger Verbindung zu seiner immer noch ersten Ehefrau Anna und seinem Sohn Jackson – ziemlich weit weg von der lauten internationalen Musikszene. Aus seiner Feder stammen sehr viele Songs, die von Kennern in höchsten Tönen gelobt werden.

Umso schmerzhafter muss für einen Vollblut-Musiker wie David Knopfler sein, dass in seinen Konzerten die richtige Zündung bei aller Begeisterung für sein Repertoire erst dann erfolgt, wenn er weltbekannte Werke auf seine Art interpretiert. Das war auch in Timmendorfer Strand nicht anders. Bei „Tougher than the Rest“, dem knapp 20 Jahre alten Hit von Bruce Springsteen und am Ende bei „Games people play“ von Joe South aus 1969, wollte der Applaus kein Ende nehmen.

Alles in allem ein wunderschöner, stimmungsvoller Abend. Wer es noch nicht wusste, weiß es jetzt: Der Name Knopfler steht für mehr als nur die Dire Straits.