29.02.2008 Bergheim, Erft Coast Festival

Die wunderschönen Porträtfotos stellte freundlicherweise Thomas Roessler zur Verfügung. Die Blättergalerie vom Konzert.

Hier der Link auf seine allgemeine digitale Fotogalerie.

Festival-Rezension des Kölner Stadt-Anzeigers vom 02.03.2008

Feine Balladen und rauer Rock'n Roll
VON JOACHIM RÖHRIG, 02.03.08

Immer noch wild: „Birth Control“-Urgestein Bernd „Nossi“ Noske, inzwischen 61 Jahre alt, bearbeitete seine „Schießbude“ wie damals in den frühen Siebzigern.
 
Bergheim - Anfang März bereits vom rockmusikalischen Konzertereignis des Jahres zu sprechen, ist gewagt. Dennoch: Was bei der zweiten Auflage des Erftcoast-Festivals geboten wurde, dürfte im Restjahr 2008 nur schwer zu toppen sein. Acht Bands von unterschiedlichem Bekanntheitsgrad und aus unterschiedlichen Lagern rührten im Medio aus besten Zutaten einen extrascharfen Musikcocktail an: Ein kleine Prise Akustik-Jazz, zwei Messerspitzen Party-Blues, reichlich Funk-Groove, einige Spritzer Pop und Folk und eine dicke fette Portion Hardrock ergaben eine ziemlich wilde, aber trotzdem stimmige Mischung, die die anders als im Vorjahr diesmal in beachtlicher Zahl angereisten Fans begeisterte.
Gleich die Eröffnungsnummer am Freitag entpuppte sich für die meisten der fast 500 Besucher als angenehme Überraschung: „Blues Culture“, das in Insider-Kreisen hoch gehandelte, außerhalb der Szene aber eher unbekannte Trio um Abi Wallenstein (Gitarre / Gesang), Steve Baker (Bluesharp) und Martin Röttger (Cajun-Percussion), wartete mit erdigem Blues, fetzigem Boogie, rauem Rock'n'Roll und bluesigen Rock-Klassikern auf. Nicht wenige Gäste, die eigentlich wegen anderer Gruppen gekommen waren, setzten die Blues-Veteranen am Ende auf Platz eins ihrer persönlichen Bestenliste.

Dann kam einer, der aus freien Stücken auf Ruhm und Geld verzichtet hat, um sein eigenes Ding durchzuziehen: Während Bruder Mark dank der „Dire Straits“ zum Weltstar geworden ist und heute noch gern die alten Hits anstimmt, hat David Knopfler dieses Kapitel schon vor über 25 Jahren komplett abgehakt. Im Medio war er als moderner Vertreter der Singer / Songwriter-Gilde zu erleben, der mit fein arrangierten, ausgereiften Balladen auf ruhige und sehr persönliche Weise zu faszinieren vermochte.

Welch ein Kontrast: Nach David Knopfler stürmte „Birth Control“ die Bühne und ließen es richtig krachen. Von der Krautrock-Truppe, die in den frühen Siebzigern zeitweilig in einer Liga mit Black Sabbath und Deep Purple spielte und mit „Gamma Ray“ eine der genialsten Heavy-Nummern überhaupt kreierte, ist nur noch Drummer und Sänger Bernd „Nossi“ Noske (61) übrig. Doch der Sound ist der alte: Liebhaber endloser Gitarren- und Keyboard-Soli und wilder Trommelorgien kamen jedenfalls voll auf ihre Kosten - vor allem bei „Gamma Ray“, das natürlich erst nach über 20 Minuten in extatischer Kakophonie verklingen durfte. Weitaus gediegenere, aber ebenfalls sehr genussvolle Töne schlugen am Samstag Joscho Stephans Gipsy-Jazz-Quintett und das Trio der schwedischen Pop-Jazz-Sängerin Pia Friedhill an. Für den fetzigen Teil sorgte neben Thorsten Heinzmanns starker Funkjazz-Combo „Bonefunk“ zunächst die Band „Kozmik Blue“ aus Köln mit ihrer Janis-Joplin-Hommage. Dabei grenzte es an Nötigung, die wie immer durch eine unglaubliche Bühnenpräsenz und zügellose Stimmgewalt überzeugende Sängerin Maggie Mackenthun nur eine halbe Stunde röhren zu lassen. Denn wer auf die Hippie-Ära im Allgemeinen und Janis im Besonderen steht, muss sich nach diesem Appetithäppchen fast gezwungen fühlen, am 3. April erneut ins Medio zu kommen, um die brandneue Kosmic-Blue-Mulitimedia-Show „A Journey To The Past“ komplett zu erleben.
Den krönenden Schlusspunkt setzte die Funk-Saxophon-Ikone Pee Wee Ellis. Der Weggefährte von James Brown, Maceo Parker und Fred Wesley lieferte mit seinem „Funky Esemble“ und der Gastsängerin Lizzie Hay eine Gute-Laune-Show ab, die weit nach Mitternacht mit „Make It Funky“ und „Cold Sweat“ endete. Das Medio tanzte.

Kölnische Rundschau 02.03.2008

Erftcoast-Festival mit hochkarätigen Bands
VON EVA JUNGGEBURTH, 02.03.08, 22:49h

BERGHEIM. Im vergangenen Juni strömten Hunderte zum dreitägigen „Erftcoast Sunshine Festival“ ins Medio Rhein-Erft. Eine abgespeckte Version des Festivals bot die BM Cultura am Wochenende. Aus dem „Erftcoast Sunshine Festival“ wurde das „Erftcoast Festival“, das an zwei Tagen stattfand. Was blieb, war das hochkarätige Programm.

Am Freitag eröffnete Abi Wallenstein zusammen mit „Blues Culture“ (Steve Baker, Mundharmonika, und Martin Röttge, Cajon) das Spektakel. Im kleinen Saal spielten sie einen Crossover aus Blues, Funk, RocknRoll und World Music, den sie „Rocking RootsnRhythm“ nennen. Der britische Mundharmonikaspieler Steve Baker spielte mit Leib und Seele die „Blues Harp“. Wallenstein, der auch als „Vater der Hamburger Blues-Szene“ bezeichnet wird, überzeugte mit virtuosem Gitarrenspiel und Gesang, während Martin Röttge die Cajon, eine Kistentrommel aus Peru, bearbeitete.

Nach dem rund 45-minütigen Konzert zog die Menge in den großen Saal um. David Knopfler nahm die etwa 450 Musikfreunde in Empfang: „Did you have a good night?“ Eine gute Nacht schienen die Bergheimer durchaus zu haben.

Dire-Straits-Gründer spielte auf


„Ich war im vergangenen Jahr auch schon bei dem Festival“, erzählte die Besucherin Martina Hoffmann. Diesmal sei sie gekommen, um David Knopfler zu sehen. „Die erste Band war aber auch super.“Der schottische Musiker Knopfler gründete einst mit seinem Bruder Mark die britische Rockband Dire Straits. Die verließ er, weil er für eine kleinere Fangemeinde in intimer Atmosphäre spielen wollte. Damit war er beim Erftcoast-Festival genau richtig. Teils saß, teils stand das Publikum, während es der professionellen Gitarrenmusik lauschte.

Den Freitag beendete die Band „Birth Control“ mit schnörkellosem Hardrock.Den zweiten Festival-Tag gestaltete das „Joscho-Stephan-Quintett“ mit Gipsy Swing. „Kozmic Blue“ überzeugten mit einer Reise durch die Vergangenheit mit Janis Joplin. Die Band „Bonefunk“ spielte akustischen Jazz-Funk und Fusion. Die schwedische Sängerin Pia Fridhill brachte Eigenkompositionen aus Pop, Soul und Jazz zu Gehör. Zuletzt spielte das „Funky Ensemble“ mit Pee Wee Ellis auf, der einst mit James Brown Musik machte. Stefan Holzporz, Geschäftsführer der BM Cultura, zeigte sich erfreut über die 450 Besucher. „Wir haben das Festival in die Hallensaison verlegt und hoffen, die Bekanntheit von Jahr zu Jahr zu steigern. Das Konzept wollen wir beibehalten.“ (ejg)