18.02.2008, Ravensburg, Oberschwabenhalle
Bericht aus dem "Südkurier"
Die Schatten der Dire Straits verblassen
Ein Popkonzert ist dann bewegend, wenn erstklassige Künstler, die dem Publikum Respekt abringen, auf der Bühne tief gefühlte Musik machen. Ein solcher Musiker ist auch David Knopfler, und sein Konzert am Montag in der Ravensburger Oberschwabenhalle hatte eine fast schon tragische Tiefe: Knopfler spielte nämlich vor einem verschwindend kleinen Publikum von rund 110 Fans. Auch wenn der Veranstaltungsort von vornherein überdimensioniert war: Ein Schlag in die Magengrube ist es dennoch. Umso bemerkenswerter ist die Haltung, die der jüngere Bruder des Dire-Straits-"Chefs" Mark Knopfler bewahrte: Mit einer aufrichtig zufriedenen Miene spielte und sang er seine hervorragenden Stücke, von denen jedes aus der Mitte seines Potenzials als Songwriter geschöpft zu sein schien.
David Knopfler hat die große Karriere nicht verpasst, sondern er hat sie hingeschmissen, und das erklärt auch seine entspannte Haltung in Ravensburg. 1980, nach zwei Platten mit den Dire Straits, verließ der heute 55-Jährige die Band. Zum einen wollte er nicht mehr unter der Fuchtel seines großen Bruders stehen, zum anderen entsprach die Gigantomanie, die der Erfolg mit sich brachte, nicht seinen Vorstellungen. Mark Knopfler wollte nicht in Arenen spielen, sondern lieber kleinere Clubkonzerte geben, und das am besten mit seinen eigenen Songs, nicht mit denen seines Bruders Mark, der bei den Dire Straits nun einmal die Führungsrolle innehatte.
Die Konstellation, in der die Brüder heute zueinander stehen, ist nicht ohne Ironie: Nach der Auflösung der Dire Straits versucht sich Mark Knopfler heute an einer musikalischen Handschrift, die derjenigen von David recht nahe kommt. Dabei hat Mark zwar den größeren Namen und auch den weitaus größeren Erfolg, seine Kreativität jedoch brennt seit dem Ende der Dire Straits auf Sparflamme. An die Songs seines unbekannteren Bruders kommen Mark Knopflers gut verkaufte Solo-CDs nicht heran. Vor diesem Hintergrund stellt sich sehr wohl die Frage, welcher der beiden Knopflers der glücklichere sein mag.
In den 80er Jahren standen David Knopflers Stücke wegen zu vieler elektronischer Spielereien in der Kritik, doch das scheint lange her. In Ravensburg dringt er zur Seele seiner Kompositionen vor, unterstützt von einer erstklassigen Mannschaft: Harry Bogdanov (Gitarre), Pete Shaw (Bass) und Geoff Dugmore (Schlagzeug).
Selten trifft man auf einen Musiker, der gründlicher über sich und seine Arbeit nachgedacht hat, der Musik nicht macht, sondern sie fließen lässt. Knopflers Stücke verbinden die britische Folk-Tradition mit der amerikanischen, sie wirken wie die Quersumme aus Richard Thompson, Bruce Cockburn und Bob Dylan. Knopflers Melodielinien, sein Gitarrenspiel und sein Gesang zeigen ihn als Romantiker mit klarem Blick für Realitäten, abgeklärt und mit sich im Reinen. Immer wieder blitzt auch jene mystische Ader durch, auf die man bei Musikern aus dem schottisch-irischen Raum oft trifft, man nehme nur Van Morrison.
Im brüchigen, tiefen Timbre ihrer Stimmen gleichen sich die Knopflers fast aufs Haar, sonst jedoch distanziert sich Mark deutlich von jenem Kapitel, das ihn am engsten mit seinem Bruder verbindet: den Dire Straits. Deren legendären Hit, "Sultans of Swing" von 1978, hat er zwar mit eingespielt, doch wohl um keinen Preis der Welt würde er ihn heute noch anstimmen - oder irgendeinen anderen Song jener Zeit, mit der er sich nicht mehr identifizieren kann.
Eine ungeheure Gelassenheit, fast schon ein Zustand der Erlösung spricht aus den neuen Stücken der CD "Songs for the Siren", aus denen der Großteil des Konzerts besteht. David Knopfler schöpft seine Musik inzwischen offenbar aus einer Quelle, die von der drängenden Frage nach dem Erfolg nicht getrübt werden kann. Wie heißt es doch in einem seiner Lieder: "Somewhere down your blown-out street is a passage to redemption." David Knopfler scheint den Weg dorthin gefunden zu haben.
Harald Ruppert
Vorbericht im Südkurier:
David Knopfler auf Emotions-Tour
Nachdem er sich vor sechs Wochen den Arm gebrochen hat, ist David Knopfler nun wieder fit: Am Montag, 18. Februar, wird er um 20 Uhr im Rahmen seiner "Emotions Tour 2008" ein Konzert in der Oberschwabenhalle in Ravensburg geben. David Knopfler ist der Bruder des Dire-Straits-"Chefs" Mark Knopfler und selbst ehemaliges Bandmitglied der Dire Straits. Dass er in Ravensburg musikalisch an diese Zeiten anknüpfen wird, ist nicht zu erwarten: Knopfler legt Wert darauf, als eigenständiger Künstler wahrgenommen zu werden. Bei seinem Konzert in der Oberschwabenhalle ist eine intensive Live-Atmosphäre zu erwarten: "Der Hallenzuschnitt wird für dieses Konzert extra verkleinert", so Willi Schaugg, Geschäftsführer der Oberschwabenhallen-Ravensburg-GmbH. Dank neu installierter mobiler Trennwände kann die Halle nun für kleinere Events abgeteilt werden. Die Bühne ist von allen Plätzen frei einzusehen, die Akustik bleibt auch in der verkleinerten Halle erhalten.
Das Konzert wird zunächst mit einigen akustischen Songs beginnen. Ab der Mitte des Auftritts wird dann aber auch gerockt, verspricht Knopfler. Unterstützt wird Knopfler von einer hochkarätig besetzten Band. Es befinden sich in ihr Musiker wie Harry Bogdanovs (Gitarrist von Marius Müller Westernhagen), Pete Shaw (Bassist bei Chris Rea) und Geoff Dugmore, der schon bei Robbie Williams, Rod Stewart und Tina Turner getrommelt hat.






