30.05.2003 Thyrow, Kulturscheune
Aus der "Märkischen Allgemeinen":
02.06.2003 VOR ORT : TELTOW-FLÄMING : AUF EINEN BLICK
DIRE-STRAITS-MITBEGRÜNDER FÜHLTE SICH IM GEMEINDEZENTRUM WOHLER ALS ZUVOR AUF DEM BIERFEST
Knopfler in Thyrow: Shine, Shine, Shine
STEPHAN SCHÜTZE, THYROW
Hoher Besuch in der Thyrower Kulturscheune: David Knopfler, mit seinem Bruder Mark Begründer der legendären Dire Straits, gab am Freitag ein umjubeltes Konzert im Rahmen seine "Acoustic-Wishbones"-Tournee.Und er kam nicht allein: Knopfler blieb nämlich einer schönen Tradition treu. Der Meister gibt regelmäßig jungen Musikern aus der Ferne die Chance, in seinem Vorprogramm zu singen. Zu den aktuellen Auftritten hat er Abbie Cardwell eingeladen, die einen besonders weiten Weg zurückgelegt hat: Die junge, in ihrer Heimat bereits preisgekrönte Sängerin kommt aus Adelaide, Australien.Man hätte im gut gefüllten Saal Stecknadeln fallen hören können, als Cardwell mit Gitarre und Harmonika bestückt ihre Lieder vortrug. Tatsächlich war vor allem ihre Stimme ein Genuss. Jazz, Soul, dazu eine Prise Pop - man merkt, dass die 27-jährige für Rickie Lee Jones schwärmt. Auch wenn - so viel Kritik sei gestattet - mancher Song unter ihren begrenzten Fähigkeiten als Gitarristin etwas eintönig wirkte. Wahrscheinlich fehlte ihr einfach ein weiterer Instrumentalist. Fotos: Thomas Klag / ThyrowUm wie viel voller zwei Gitarren klingen können, zeigte David Knopfler zusammen mit seinem langjährigen Freund und musikalischem Partner Harry Bogdanovs. Die beiden bestritten die ersten Songs des Konzertes als Duo, bevor zu "Deptford Days" die Band erstmals komplett zum Einsatz kam. Angelehnt an die erfolgreiche "Unplugged"-Reihe des Musiksenders MTV blieben E-Gitarre und Effekt-Geräte an diesem Abend weitgehend ausgeschaltet. Statt dessen waren neben Schlagwerk und Kontrabass vor allem akustische Gitarren zu hören. Eine gute Gelegenheit für den gebürtigen Schotten, die traditionellen Wurzeln seiner Lieder herauszuarbeiten. Übrigens erinnerten die Stücke prompt an manches Mark-Knopfler-Werk, der ja auf ähnliche Einflüsse zurückgreift. Das mag aber auch an der dem Bruder erstaunlich ähnelnden Stimmlage liegen. Wenn die Knopflers nur halb so dickköpfig sind, wie ihre brummeligen Stimmen klingen, wird klar, warum die beiden schon lange nicht mehr miteinander reden.David K. aber war an diesem Abend guter Dinge und lobte ausgiebig Publikum und Spielstätte: "Wir haben vor ein paar Tagen auf einem Bierfest gespielt", erinnerte sich der Feingeist zwischen zwei Liedern und schüttelte sich bei dem Gedanken: "Hier gefällt es mir viel besser". Sprach's, lupfte die Lesebrille und nippte zufrieden an seinem Weinglas.So bekamen die Thyrower gar einige unveröffentlichte Perlen zu hören: Weil die Band gerade mit den Aufnahmen zu einem neuen, dem Vernehmen nach deutlich rockigeren Album beschäftigt ist, wurde manch neues Material schon einmal live getestet - und fügte sich wie das schöne "Mockingbird" wunderbar ein. Ansonsten präsentierte der Sänger ein buntes Potpourri älterer Stücke ("Soul Kissing") und neuerer Songs von der noch aktuellen "Wishbones"-CD. Selbst ein wenig Dire Straits hatte er im Gepäck: "Bernadette" (mit E-Gitarre!) wurde ein erster, heftig bejubelter Höhepunkt.Dann folgte eine weitere gute Tradition: Wer mit Knopfler auf Tour geht, muss auch mit ihm singen! Also kehrte Abbie Cardwell gegen Ende des regulären Sets noch einmal zurück, stimmte ein beschwingtes "May you never" an - und prägte die ganze Show. Erstaunlich, wie gelöst der Männer-Club plötzlich war, nun, da eine Frau zwischen ihnen sang, tanzte und lachte. Jetzt lief alles wie von selbst: Springsteens "Tougher than the rest" zum Beispiel beeindruckte in seinem neuen Arrangement als federleichter Country-Folk-Zwitter. Allein Cardwells offensichtlicher Spaß am Auftritt zog unweigerlich die Blicke des Publikums auf sich. Kein Wunder, dass die Nachwuchssängerin für ihre erstaunliche Bühnenpräsenz gefeiert wurde.Und Knopfler? War kein bisschen eifersüchtig, freute sich mit dem Nachwuchs und holte sie später ein weiteres Mal auf die Bühne. "Shine Shine Shine" sang er am Ende. Das passte: Thyrow hat gestrahlt an diesem Abend.




