Presseartikel allgemein

Pressewoche/Kulturmagazin FuROrum - Artikel vom 29.04.2007

Schattendasein - David Knopfler hat ein Problem: Er war mal bei den Dire Straits

Haben Sie einen großen Bruder oder eine große Schwester? Dann wissen Sie vielleicht, dass das nicht immer ganz so einfach ist. Der/die Ältere kann eher laufen, radeln, schwimmen, kommt früher in die Schule und kann demzufolge meistens eher lesen, schreiben und rechnen. Wenn der/die Ältere noch ein Instrument lernt, dann kommen da auch eher brauchbare Töne raus. Das Lob der Eltern und der Verwandtschaft ist ihnen sicher. Was bleibt den Kleinen? Oft ein pflichtbewußtes „Das hast du aber auch schön gemacht.“ Und klein Brüderchen oder Schwesterchen versteht: „Fast so schön wie dein tolles großes Geschwisterkind.“
Warum ich das schreibe? Weil David Knopfler (54) genau unter diesem Problem leidet. Er ist drei Jahre jünger als sein großer Bruder Mark. Obwohl er vor langer, langer Zeit Mitte der 70er Jahre mit ihm gemeinsam die Gruppe Dire Straits gründete, weiß das bis heute fast niemand. Es ist auch egal. Denn Mark stand bei den britischen Poprockern stets im Rampenlicht. Er schrieb die Songs, spielte diese unverkennbare scharfe Leadgitarre und nölte dazu mit seinem rauen, tiefen Suff-Organ, das die Combo schnell an die Weltspitze katapultierte. Und David? Er war irgendwie immer dabei und doch nicht. Schrammelte im Hintergrund die Rhythmusgitarre und wurde zu Interviews höchstens mal dann gebeten, wenn die Journalisten es mit den Vornamen der Knopfler-Brüder nicht so genau nahmen. Keine tollen Aussichten also für eine Pop-Karriere. Immer das Anhängsel des großen übermächtigen Bruders. Das hätte David zwar ein sicheres Einkommen auf Lebenszeit beschert, doch darum geht es nicht, wenn man sich dazu entschließt, Musiker zu werden. Da will man sich gegenüber ehrlich bleiben und die Anerkennung erfahren, die einem auch zusteht. Deshalb verabschiedete sich David nach nur zwei Alben im Juli 1980 um sein eigenes Ding zu machen. „Ich gehe aus dem selben Grund eines jeden, der seinen Job verlässt, weil er nicht mehr seine Erwartungen und Hoffnungen erfüllt sieht“, sagte er damals. „Ich will nicht einfach der Ausführer der Träume eines anderen sein. Was auch immer das Gegenteil von Reue ist: Es beschreibt am besten, wie ich mich nach dieser Entscheidung fühle. Sie eröffnet mir Millionen kreative Möglichkeiten, weit weg von dem Scheißdreck und den verzerrenden Spiegeln, die der Erfolg mit sich bringt“. David ging nicht blauäugig, denn er wusste schon immer, was er kann. Ideen hatte er genug, jetzt endlich konnte er sich als Solo-Künstler beweisen und machte das auch ganz ordentlich. Übersetzt heißt das: Die Kritiker beklatschten seine Alben, das Publikum ließ sie im Regal stehen und schnappte sich stattdessen lieber die Werke seines Bruders.
Trotzdem - David Knopfler war glücklich. Endlich wurde er nach und nach als eigenständiger Künstler akzeptiert, seine folkigen, manchmal auch countrylastigen Poprocksongs eroberten langsam aber sicher eine kleine und treue Fangemeinde. Sieben Alben produzierte er bis 1995, er tourte und spielte und tourte und spielte. Nebenbei schrieb er Soundtracks für Filme, schon 1985 steuerte er den Titelsong zur „Tatort“-Folge „Doppelspiel“ bei.
Mitte bis Ende der 90er Jahre legte David dann eine kreative Pause ein und widmete sich ganz seinem Hobby, der Fotografie. Zusätzlich bildete er sich im Webdesign weiter. Im Herzen jedoch blieb er immer Musiker. Deshalb ging er 2001 wieder mit einem neuen Album an den Start, es folgten weitere Werke, sein aktuellstes heißt „Songs For The Siren“. Und damit holen ihn die Probleme der Vergangenheit wieder ein. Denn diese Scheibe erinnert Insider an die Band, die er verließ, um etwas anderes zu machen. „Ich darf das, ich bin schließlich Gründungsmitglied gewesen“, sagt er trotzig. Stimmt. „Außerdem habe ich bei den Dire Straits auch gesungen“, sagt er weiter. Stimmt auch. Wenn auch nur auf dem Album „Communique“ und das als Background-Sänger.
Doch David hat beschlossen, jetzt endlich offensiv mit den vergangenen Zeiten umzugehen. Auf den Plakaten zur aktuellen Tournee lässt er sich als „Legend Of Dire Straits“ ankündigen. Was einerseits richtig ist, andererseits einen etwas schalen Beigeschmack hat. Weil der eine oder andere Konzertgänger vielleicht doch nicht so genau auf den Vornamen schaut und unter dem Etikett „Knopfler“ vielleicht den großen Bruder Mark vermutet.
Wischen wir diese Unterstellungen jetzt aber mal vom Tisch und denken wir positiv - wer sich den Auftritt von David und seiner Band anschaut, wird nicht enttäuscht sein. Er ist nämlich wirklich ein Guter und hat es in der Tat nicht nötig, sich als lebende Legende anzudienen. Seine Trümpfe sind charmante, melodische und intime Songperlen und gekonntes Gitarrenspiel, mit dem er sich aus dem übermächtigen Schatten seines Bruders heraus zupfen kann. Wenn er nicht in den Fehler verfällt und im Konzert ein Dire-Straits-Potpurri vom Stapel lässt. Dabei kann er nur verlieren.
Von Andreas Fallscheer

Danke an Herrn Huber für die freundliche Genehmigung zur Übernahme des Artikels. Link zur Pressewoche/FuROrum ...

Foto: André Chrost

Blue Rose Records
zur Veröffentlichung der CD "Songs Of the Siren",
21. Oktober 2006

Diese Stimme! Sie klingt nicht nur markant und besitzt extrem hohen Wiedererkennungswert, sondern zieht Zuhörer auch sofort in ihren Bann und weckt Assoziationen. Darum wird wohl fast jeder bei den Songs aus dem Album Songs For The Siren als erstes auf die Dire Straits als Interpret tippen. Fast richtig. Den vorliegenden Silberling hat allerdings DAVID KNOPFLER eingespielt! Er ist der jüngere Bruder von Mark Knopfler und wie dieser Gründungsmitglied des legendären Quartetts. Auf seinem mittlerweile zehnten Solo-Opus seit 1983 präsentiert sich der gebürtige Glasgower jedoch als eigenständiger Künstler. Während Mark sich primär in Country-Gefilden tummelt, versteht es David als Singer/Songwriter geschickt, die einst für die Dire Straits typischen Stilelemente in einen individuellen, transparent-modernen Sound einfließen zu lassen. So zeichnen sein aktuelles Album jene Zutaten aus, die laut "Rock Lexikon" für die Straits in ihren Anfangstagen galten: "In einem Bob Dylan-ähnlichen Sprechgesang dahingemurmelte Vocals, sparsame Gitarrensoli, sacht federnder Druck von der Rhythmusgruppe und eher angedeutete als ausgeführte Melodien". Für David Knopflers Sammlung filigraner Balladen und lässiger Midtempo-Stücke gilt: Diese sehr persönliche Musik rockt nicht, sondern rollt!

Einem internationalen Publikum wurde David Knopfler als Rhythmusgitarrist der 1977 gegründeten Dire Straits bekannt. Nach den Longplayern Dire Straits und Communiqué verließ der ehemalige Sozialarbeiter im Juli 1980 die international megaerfolgreiche Formation, da er sie lieber als Kultband für eine kleine Fangemeinde in entsprechender Umgebung gesehen hätte. Seitdem macht David Knopfler unter eigenem Namen Musik. Es fällt auf, dass der Fan von Randy Newman, Joni Mitchell und Lowell George (Little Feat) jenes besondere intime Flair, das den Straits-Sound einst auszeichnete, in seinen semiakustischen Kompositionen einfühlsam wiederaufleben lässt. Bei der Einspielung von Songs For The Siren konnte David Knopfler dabei einmal mehr auf die Hilfe seines langjährigen Freundes, des Gitarristen Harry Bogdanovs sowie auf Tony Carey zählen. Der kalifornische Tastenspezialist und Gitarrist ("Room With A View") produzierte das Album auch mit ihm zusammen. Außerdem im Studio: Geoff Dugmore, einer der meistbeschäftigen Session-Schlagzeuger Englands (Robbie Williams, Tina Turner, Rod Stewart, Dido), und der Flensburger Saxophonist Johnny Möller.

Von den elf betont atmosphärischen Kompositionen kommentiert David Knopfler spontan sechs: "Das rockige "Steel Wheels" zum Auftakt und "Smile And Say Okay" zum Ausklang der CD dreht sich textlich um zwei Figuren der griechischen Mythologie (Narziss & Echo) mit von mir vertauschten Rollen. "Fire Down Below", das auf einer Zwölfsaitigen gespielt wird, hat emotionalen Verlust zum Thema. Zu "Sophie's Song" inspirierten mich Tarotkarten. "Somebody Kind" ist eine Rückkehr zu meinen Dire-Straits-Wurzeln, aber in einem Tex/Mex-Groove. Das Liebeslied "Accidents Don't Just Happen" basiert auf einem Poem, das im Gedichtband "Blood Stones and Rhythmic Beasts" veröffentlicht wurde, mit dem ich 2005 als Autor debütierte".
Im Frühjahr 2007 wird der unter anderem bei "Amnesty International" und "Adopt A Minefield" sozial sehr engagierte Künstler die semiakustischen Songs der neuesten CD sowie Stücke seiner vorangegangenen Alben live in Deutschland präsentieren. Dann werden einige Konzertbesucher vielleicht jenem Journalisten zustimmen, der über David Knopflers Sound folgendes schrieb: "Es ist die Musik, die sein Bruder Mark immer hätte machen wollen!"

Mit freundlicher Genehmigung von Blue Rose Records.

Pressetext zu "Ship Of Dreams"

"Völlig unbeeindruckt von dem allgemeinen Krisengerede der Musik-Industrie veröffentlicht der Dire Straits-Gründer DAVID KNOPFLER alle zwei Jahre ein neues Album und erfreut seine treuen und zahlreichen Fans mit tiefsinnigen und zeitlosen Songs in einer Qualität, wie sie David seit Jahren in bewährter Singer-/Songwriter-Manier für sich beansprucht.
Wieder einmal hatte er eine ganze Reihe hochkarätiger Musiker und Gast-Sängerinnen um sich versammelt, mit denen er Anfang des Jahres ins Studio ging, um sein neues Album SHIP OF DREAMS aufzunehmen. So ist es kein Geringerer als Chris Rea, der die Slide Gitarre auf den Songs "Easy Street", "When Will The Crying Stops" und "Sometimes There Are No Words" zupft.
Neben US-Sängerin Megan Slankard ("Ship Of Dreams"), die ihn schon auf seiner "Wishbones-Tour 2001" begleitete und zur Überraschung vieler Jule Neigel ("Tears Fall"), kamen Musiker wie Alan Clark (Dire Straits), Martin Ditcham, Pete Shaw und viele andere hervorragende Kollegen zum Zuge. In einigen Songs wird David von einem klassischen Orchester begleitet, wobei er auch diesen Stücken seine - wie schon früher, so auch diesmal - im Gespann mit Co-Producer und Gitarrist Harry Bogdanovs erprobte, persönliche musikalische Note verleiht.
SHIP OF DREAMS bezeichnet David selbst als sein persönlichstes Album. Aber man kann auch mit Fug und Recht behaupten, dass die spürbare Intensität der Musik und der Texte David in Höchstform präsentieren."