Interviews

15.02.2014 - Interview "Maulbeerblatt"

K L I C K !

Vielen Dank an Herrn Redakteur Matthias Vorbau für die freundliche Genehmigung, den Artikel übernehmen zu dürfen! (Webm.)

K L I C K !

Herzlichen Glückwunsch zum 30-Jährigen Jubiläum, was und wer waren deine musikalischen Haupteinflüsse ?
Meine Wegbereiter waren Bob Dylan und Leute wie Joni Mitchell, Randy Newman und Van Marrison.

Gab es Momente in deiner Karriere, wo du mit der Musik aufhören wolltest?
(lacht ) Ja, da gab es viele Momente. Wenn ich auf Tour bin, gibt es oft viele schwarze Löcher, in die du fällst. Also z.B. solche Momente, wenn Du auf die Bühne gehst. Du erwartest 3000 Menschen, aber nur 7 sind da. Das treibt einen schon in den Wahnsinn. Aber verglichen mit einem Job, bei dem man 6:45 Uhr aufstehen muss, um pünktlich zu sein… da habe ich es schon sehr leicht. Ich würde den Job nie aufgeben, weil ich liebe, was ich tue.

Wie ist es dazu gekommen, dass du mit Harry Bogdanovs zusammen gearbeitet hast?
Das war 1980/1981, ist eine lange Zeit her. Wir haben ein Jazz-Projekt zusammen gemacht: „Daddy Wisin“. Harry war der Musical Director und ich war der Producer. Seit diesem Projekt haben wir ziemlich viel zusammen gearbeitet.

Warum findet deine Jubiläumstour in erster Linie in Deutschland statt?
Wir haben schon immer sehr viel in Deutschland zusammen gearbeitet. Ich habe eine Menge für das Deutsche Fernsehen gemacht, lange bevor es überhaupt Internet gab. Da ging es noch um Plattenverkäufe und CD. Wenn man neue Musik herausbringen wollte, musste man ins Fernsehen. Das Fernsehen war überall. Für jede CD, die ich herausgebracht habe, habe ich wohl ein halbes Dutzend Fernsehshows gemacht. Dadurch habe ich mir in Deutschland einen Namen gemacht. Als ich 2001 das erste Mal seit langem wieder kam, gab es genug Leute, die mich noch kannten.

Was denkst du, wie lange du noch Musik machen wirst?
Bis ich sterbe (lacht) oder bis die Leute meine Musik nicht mehr hören wollen?

Welcher deiner Songs ist dein Lieblings-Song?
Oh mein Gott, das ändert sich ständig. Die neuesten Songs, die ich in den letzten Wochen bis vor 6 Monaten geschrieben habe, das sind meine Babys, weil ich sie selbst gerade kreiert habe. Z.B. diese neueren Songs: „ Wishbones“ und „Ship of Dreams“. Sie wurden mit einem Orchester eingespielt mit vielen Violinen, das klingt einfach richtig gut. Aber einen richtigen Lieblings-Song von mir habe ich nicht mehr.

Ist ein neues Album in Planung?
Ja, ich hoffe es kommt im März raus, ich bete dafür! Ich rede schon seit 4 Jahren darüber und hoffe es passiert nun bald. Wahrscheinlich muss ich fundraising machen.

Welche jungen Künstler hörst du gerne?
Eigentlich komme ich nicht mehr mit, ich habe lange Zeit probiert, am Ball zu bleiben. Aber diese jungen Musiker sind mittlerweile auch alle Künstler. Sie sind nicht mehr so jung, wie sie einmal waren. Ich neige dazu, die Lieder richtig wahrzunehmen. Ich bin hauptsächlich Songwriter. Aber ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal richtig überrascht war. Das kommt vielleicht einmal im Jahr vor. Aber es gibt schon viele gute Künstler da draußen. Das Geschäft ändert sich nicht. Ein paar neue brechen immer durch.

Was ist deine Meinung? Sollten junge Musiker auf ihrem Weg unabhängig bleiben?
Die Diskussion beschäftigt mich immer: „The best deal is always the best deal you can get!” Bitte zitiere mich wörtlich: die beste Absprache, die du bekommst, ist auch immer die beste Absprache, die du bekommst… und damit meine ich, dass du nicht immer den Deal bekommst, den du Dir erhoffst hast. Ich denke, als junger Künstler, wenn du einen großen Plattenvertrag bekommst, kann das schon sehr hilfreich sein. Weißt du, Taylor Swift verkauft 30 Millionen Platten, es ist also nicht unmöglich als junger Künstler erfolgreich zu sein. Auf der anderen Seite ist es so, dass wen du bei einem Label nur 100.000, 50.000 oder auch nur 1.000 Platten verkaufst, ist das sinnlos. Wenn du live auftrittst und Deine eigenen Platten nach dem Konzert verkaufst, hast du die Kosten vielleicht sogar viel schneller wieder raus.

Ich glaube das Wichtigste, vor allem seit es Internet gibt, sind Liveauftritte. Du kannst Dich nicht auf die Verkaufszahlen verlassen, du musst rausgehen – zu deinem Publikum und deinen eigenen Moment kreieren. Die Industrie hilft Dir auf diesem Level nicht. Die interessiert sich erst für dich, wenn du schon 25.000 Platten verkaufst hast, sie biete dir dann an 50.000 daraus zu machen.

Weißt du, als ich noch jung war, konnte ich mit einem Demotape zu einem Label gehen. Wenn es ihnen gefiel, haben sie es rausgebracht. Das klappt vielleicht auch noch heute, aber so selten!!! Heute wollen sie von dir wissen, wie ist deine Fanbase, wieviel Klicks hast du auf youtube usw. Das ist wirklich ein großes Thema, ich könnte ein Buch darüber schreiben. Es ist nichts wirklich richtig oder falsch an diesem Business. Es kommt eben nur darauf an ES zu tun. Wenn du erst anfängst darüber nachzudenken, steckst du in deinen Problemen schon fest. Es kommt nicht darauf an, dass es der richtige Schritt ist, sondern dass du überhaupt einen Schritt machst. Wenn du jung bist, trittst du in die Fußspuren deiner Helden und bist immer dabei in deren Schatten. Die Schritte sind im Prinzip schon da, du musst ihnen nur noch folgen.

Wenn du aber älter bist, stellst du fest, dass du selber auch Fußspuren hinterlässt. Weißt du, ohne Woodie Guthrie hätte es keinen Bob Dylan gegeben. Später bekam Bob Dylan eine komplett eigene Identität und viele andere folgten dann wiederum ihm. Es gibt da keine Regelung. Mach es einfach! Die Industrie trennt die Jungs von den Männern sowieso. Das ist ein hartes Geschäft, da überleben nur die halbverrückten. Du musst es wirklich wollen!

Wie bist du dazu gekommen, mit deinem Bruder eine Band zu gründen? Und wie ist der Bandname entstanden?
Wir starteten als Duo, aber wir brauchten noch einen Schlagzeuger und einen Bassisten, ein Freund des Schlagzeugers hatte die Idee für den Bandnamen.

Du hattest das Gefühl eingeschränkt zu sein – warum wurden deine Ideen in der Band nicht akzeptiert?
Mark (Knopfler) war die powervolle Stimme und der Songwriter. Ich hatte die Idee für die Band, aber ich wurde nur auf die Gitarre limitiert. Am Ende hat Mark die Idee für die Band als seine eigene bezeichnet.